TransitTriest | Heimat

TranistTriest Als die Nazis kamen, war das ein schrecklicher Schock für mich, denn ich wusste bis dahin nicht, dass ich anders war. Die Kinder aber haben trotzdem mit mir gespielt. In der Volksschule war ich die einzige Jüdin. In der dritten Klasse war ich einen Kopf größer als die anderen Kinder, blond und gesund, rote Backen. Als wir nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten einen neuen Lehrer bekamen, einen Deutschen, der die Kinder noch nicht kannte, stellte er mich vor der Klasse als Beispiel für die „arische Rasse“ hin. Natürlich hat man ihn dann aufgeklärt. Er hat eine Wut gehabt, und in der Pause haben alle Kinder – ich in der Mitte – das „Horst-Wessel-Lied“ singen müssen und „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, geht es uns noch mal so gut“. Da hat der Direktor von der Schule, ein guter Freund meines Vaters, gesagt, er soll mich aus der Schule nehmen.
So habe ich fast zwei Schuljahre verloren. Sobald sie mich in Güssing aus der Schule genommen hatten, war das für mich der Moment, wo ich wirklich gemerkt hab, es geht was vor sich. Ich war danach isoliert, und wir haben uns nicht getraut auszugehen, meine Eltern nicht und ich auch nicht.

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